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Angeschaut
Nussknacker
Grimmig, bunt und scheinbar bissig – die erzgebirgischen Nussknacker
Sie zählen zu den bekanntesten Vertretern der erzgebirgischen Volkskunst und verleihen jeder Weihnachtsdekoration erst das gewisse Etwas – die Nussknacker aus dem Erzgebirge. Seit 1870 tauchen die zumeist grimmig dreinschauenden Kerle mit den leuchtend bunten Phantasieuniformen in den weihnachtlichen Stuben auf. „Erfunden“ wurde der erste gedrechselte und äußerst bissige Erzgebirgler von Friedrich Wilhelm Füchtner aus Seiffen. Ihm diente ein Kinderbuch von 1851 als Vorlage, in dem der König Nussknacker und ein armer Junge die Hauptrollen spielten. Die Geschichte trug sich zur Weihnachtszeit zu und handelt von einem armen und kranken Buben, dem in seinem Fiebertraum der Nussknacker erscheint und ihn durch die herrliche bunte Welt der Spielsachen führt. Als der Junge aus seinem wirren Traum erwacht, liegen alle erträumten Spielsachen unter dem Weihnachtsbaum und das Kind wird vor Freude prompt gesund. Mit dieser rührenden Geschichte wurde erstmals auch die Verbindung zwischen Nussknacker und Weihnachten begründet.
Da die erzgebirgischen Nussknacker seit Anbeginn ihrer Produktion gedrechselt und nicht mühsam von Hand geschnitzt wurden, war es möglich, große Stückzahlen herzustellen und die Figuren zu erschwinglichen Preisen zu verkaufen, was sie wiederum auch für nicht so gut betuchte Bevölkerung erschwinglich machte. Die bunten Uniformen der Nussknacker entsprangen übrigens keinesfalls einer zufälligen Erfindung. Als Mitte des 19. Jahrhunderts im Erzgebirge die Erzminen geschlossen wurden, gerieten viele Menschen in Geld- und Existenznot. Die Gesetzeshüter zeigten sich der notleidenden Bevölkerung gegenüber nicht immer kulant. Die Erzgebirgler „rächten“ sich auf ihre Weise an der Obrigkeit, indem sie den Nussknackern die Uniformen ihrer Quälgeister anzogen und ihnen somit auf humorvolle Weise – zumindest zur Weihnachtszeit – die Nüsse zu knacken gaben, mit denen sich ansonsten die Schöpfer der Figuren plagen mussten. Wie modern und zeitlos zugleich diese Darstellungsform ist, beweist so mancher Nussknacker, dessen Gesichtszüge erstaunliche Ähnlichkeiten mit heutigen Politikern aufweisen. Doch fürchten muss man sich trotz der makellosen Gebisse nicht vor den hölzernen Kerlen – die erzgebirgischen Nussknacker können in den meisten Fällen keine einzige Nuss knacken, sondern sehen ihre Daseinsberechtigung ausschließlich als Spielzeug oder Weihnachtsschmuck.


